Mittwoch, 21. Juni 2017
"America first, EU second?" - Diskussionsveranstaltung zur Zukunft der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der EU
US-Präsident Donald Trumps Motto für seine neue Außenwirtschaftspolitik lautet „America first“. Im Zuge dieser Neuorientierung sind die seit 2013 laufenden Verhandlungen zum Transatlantischen Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA auf Eis gelegt worden. Wie werden die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und der EU künftig aussehen? Welche Zukunft hat das transatlantische Freihandelsabkommen? Braucht Europa neue Partner in der zukünftigen Weltwirtschaftsordnung? Welche Folgen sind durch diese Entwicklung für die Hamburger Wirtschaft zu erwarten?

v.l.n.r.: Sven Oehme, Dr. Roland Heintze, Sabine Steppat, Corinna Nienstedt, Dr. Uwe Jean Heuser

Über diese und andere Fragen rund um die transatlantische Partnerschaft diskutierten im Plenarsaal der Handelskammer Hamburg am 20. Juni 2017 Sven Oehme, President & CEO European-American Business Organization Inc., HamburgAmbassador New York City, Senior Advisor for the Northeast for the American Chamber of Commerce in Germany, Dr. Uwe Jean Heuser, Ressortleiter Wirtschaft DIE ZEIT, Herausgeber ZEIT-Geld und Dr. Roland Heintze, Landesvorsitzender CDU Hamburg, stellv. Vorsitzender Europa-Union Hamburg.

Der President & CEO der European-American Business Organization Inc. Sven Oehme wünschte sich von den Medien eine umfassendere und faire Berichterstattung über die USA und ihren Präsidenten. Die Stimmung der Wirtschaft in den USA sei zurzeit gut. Der deutsche Handelsüberschuss sei kein neues Thema, sondern wäre bereits unter der Obama-Regierung kritisiert worden. Es wäre gut für Amerika, wenn die amerikanische Wirtschaft mehr exportieren würde. Viele amerikanische Unternehmer seien jedoch gegen Strafzölle auf Importe. Oehme hob auch hervor, dass allein deutsche Autobauer in den USA  in den letzten Jahren über 100.000 Arbeitsplätze geschaffen hätten.

Dr. Heuser äußerte sich sehr kritisch zur Politik des amerikanischen Präsidenten. Die „Trumpologie“ sei schädlich für die amerikanische liberale Demokratie und für die freie Weltwirtschaft. Trump führe uns Europäer ungewollt zusammen, was ein positiver Effekt sei und: „die Chinesen freuen sich, dass sie als pro Globalisierer auftreten können“, so der Ressortleiter Wirtschaft der Wochenzeitung DIE ZEIT. Ein Nebeneffekt der Globalisierung sei das Entstehen von populistischen Bewegungen in einigen Ländern. Eine schwierige Frage sei, wie man Globalisierungsverlierer entschädigen könne. Man müsse vielleicht erst klären, ob es sich bei den Betroffenen um Verlierer der Globalisierung oder der derzeitigen Technisierung/Digitalisierung der Gesellschaft handeln würde. 

„Die Trump Strategie ist Trump“, stellte Dr. Roland Heintze fest. Der amerikanische Präsident sei in einem Punkt berechenbar: er wolle Erfolg für sich und er stehe bei seinen Wählern tatsächlich unter hohem Erfolgsdruck. Der derzeitige „Wirtschaftsnationalismus“, amerikanische Wirtschaft kommt zuerst, würde deutsche Unternehmen sensibilisieren darüber nachzudenken, ob sie in den USA noch ein Werk bauen können. Dr. Heintze warnte vor einer Entfremdung zwischen Deutschland und den USA.  Die deutsch-amerikanische Partnerschaft sei für beide Seiten wichtig!

Zur Zukunft des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP äußerten sich die drei Podiumsteilnehmer optimistisch.  Alle Beobachter seien zuversichtlich, dass dieses Abkommen inhaltlich leicht verändert und mit einem neuen Namen kommen werde.

Was Hamburg als Wirtschaftsstandort und Tor zur Welt betrifft, so waren sich die Diskutanten auch darüber einig, das Hamburg vom transatlantischen Handel profitiert: „Je mehr gehandelt wird, desto besser für Hamburg“, so der HamburgAmbassador in New York City Oehme.

Rund 90 Interessierte nahmen an dieser aktuellen Veranstaltung des europe direct Info-Point Europa, der Europa-Union Hamburg und der Handelskammer Hamburg teil und richteten ihre Fragen an die Podiumsgäste. Die Geschäftsführerin des Bereichs International der Handelskammer Hamburg Corinna Nienstedt führte die Podiumsgäste und Teilnehmer der Veranstaltung sach- und fachkundig durch den Abend.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Gerne können Sie sich die ganze Veranstaltung noch einmal von zu Hause aus online anschauen. Sie finden die ganze Podiumsdiskussion auf unserer Öffnet externen Link in neuem FensterFacebook-Seite.


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