Freitag, 16. März 2018
Europa lesen. Hamburger Autorengespräche „Familie auf Europäisch: Liebe und Alltag zwischen den Kulturen“
Im Rahmen der zweiten Veranstaltung unserer Reihe „Europa lesen“ hat die Autorin Katharina Strobel am 05.04.2018 in der Buchhandlung „boysen+mauke“ ihr Buch „Familie auf Europäisch: Liebe und Alltag zwischen den Kulturen“ vorgestellt.

Katharina Strobel schreibt über ein Thema, das für sie persönlich eine bedeutende Rolle spielt: Ihr Buch handelt von Familien, bei denen die Elternteile aus verschiedenen Ländern kommen. Katharina Strobel stammt aus Hamburg, ihr Mann ist Brite. Zusammen  mit ihren Kindern leben sie in Brüssel und Edinburgh. Katharina Strobels Familie ist ein Beispiel für eine binationale Familie, wie es sie in einer Vielzahl unterschiedlicher Zusammensetzungen gibt. Bestimmt zählen auch Sie mindestens eine Familie, bei der die beiden Elternteile unterschiedliche kulturelle Hintergründe haben, zu Ihrem Bekanntenkreis.

Einleitend stellte Sabine Steppat, Landesvorsitzende der Europa-Union, die Autorin und ihren Gesprächspartner Christoph Bungartz (Leiter der Abteilung „Kultur und Wissen“ beim NDR Fernsehen) vor. Zu Beginn verwies Herr Bungartz mit dem Zitat „Das Private ist politisch“ auf das Jahr 1968, das 2018 genau 50 Jahre zurückliegt. Denn dieser Spruch, der die Stimmung der damaligen Zeit widerspiegelt, trifft auch auf das Werk von Frau Strobel zu: Ihr Buch ist nicht nur ein journalistisches, sondern auch ein privates Projekt. Als Journalistin in Brüssel entstand bei Frau Strobel der Eindruck, die mediale Berichterstattung über die EU sei oft einseitig und abstrakt und werde der EU nicht gerecht. So entschloss sie sich, dagegen anzuschreiben und über jene Menschen zu berichten, die Europa tatsächlich leben: Menschen, die ganz selbstverständlich im europäischen Ausland studieren, arbeiten oder Familien gründen. Für ihre Recherche ist Frau Strobel durch ganz Europa gereist, sie besuchte unter anderem Familien in Polen, Italien, Dänemark und Griechenland, bei denen ein Elternteil aus Deutschland stammt. Außerdem sprach sie auch mit binationalen Familien in Deutschland, wie zum Beispiel mit einer deutsch-spanischen Familie aus Berlin. Obwohl diese Familien sich in vielerlei  Hinsicht voneinander unterschieden, hatte alle eine große Offenheit und weitreichende Kompromissbereitschaft gemeinsam. 

Frau Strobel hat sich nicht nur mit den Elternteilen der binationalen Familien über Erfahrungen, Herausforderungen, Vorurteile und Heimatgefühl unterhalten, sondern auch mit einigen ‚Europakindern‘ gesprochen. Gemeinsam hatten sie alle eine erfreuliche Selbstverständlichkeit hinsichtlich ihrer Identität und das Bewusstsein, dass man nicht entweder das eine oder das andere, sondern beides sein kann: „Ich bin nicht 50% deutsch und 50% griechisch, sondern 100% deutsch und 100% griechisch. Ich bin 200%“.

Das Buch schließt mit einer „Wunschliste“ der europäischen Familien. Ein europäischer Pass würde das Leben binationaler Familien erleichtern und ihnen einiges an Behördenwahnsinn ersparen. Außerdem sollten die europäische Politik und die Vermittlung von Wissen über die EU in der Schule präsenter sein. Die europäischen Familien wünschen sich, dass jede/r Schüler/in mindestens zwei europäische Sprachen lernen könne und die Gelegenheit bekäme, durch ein Praktikum im Ausland oder einen Schüleraustausch, andere europäische Kulturen besser kennenzulernen.

Herr Bungartz wies auf das Paradox hin, dass es zwar laut EU-Kommission 16 Millionen internationaler Paare gebe und die Binnenmigration Europas weiter zunehme, das mediale Bild von Europa aber durch Krisen und Probleme gekennzeichnet sei. Zurzeit ließe sich bedauerlicherweise ein Trend zur Rückbesinnung auf das Eigene feststellen. Frau Strobel stellte klar, dass es einige Familien gebe, die sich bereits vom nationalen Denken losgelöst hätten. Sie stellten sich viel grundlegendere Fragen als die der primären Sprache ihrer Kinder. Dass die EU uns Europäern allen außerordentlich weite Möglichkeiten der Wohn- und Arbeitsortwahl bietet, müsse der Bevölkerung noch klar gemacht werden. Dazu müssten positive Geschichten über Europa laut werden.

Katharina Strobels Buch „Familie auf Europäisch: Liebe und Alltag zwischen den Kulturen“ ist ein gutes und spannendes Beispiel für diese notwendige positive Berichterstattung.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Das ganze Gespräch können Sie sich ganz entspannt von zu Hause aus ansehen. Entweder auf unserer facebook-Seite oder auf unserem YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/watch?v=eePCQ7XgFQQ


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