Donnerstag, 16. November 2017
Herausforderung Migration: Wie gelingt die Integration von Flüchtlingen?
Zusammen mit dem Info-Point Europa und der Hamburger Senatskanzlei lud die Europa-Union Hamburg e. V. zu einer Podiumsdiskussion ins Hamburger Rathaus ein. Als Referenten waren u.a. die Sozialsenatorin Hamburg, Dr. Melanie Leonhard und der Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in München, Joachim Menze zu Gast.

v.l.n.r.: Bettina Töring, Prof. Dr. Ursula Neumann, Dr. Melanie Leonhard, Joachim Menze, Sabine Steppat, Kathrin Schmid und Amin Sharifyar

Welche Maßnahmen braucht es für eine gelungene Integration von Flüchtlingen, aber auch von Migranten aus EU-Ländern? Welche Unterstützung und Angebote brauchen Migranten und welche Rolle spielen die Hamburger Bürgerinnen und Bürger bei der Integration?

Diese Themen und weitere Aspekte der Integration wurden am 15. November 2017 im Kaisersaal des Hamburger Rathauses debattiert. Rund 110 Teilnehmende besuchten die von Frau Schmid, Redakteurin des NDR Info, moderierte Podiumsdiskussion. Zu Gast waren die Senatorin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration der Freien Hansestadt Hamburg, Frau Dr. Melanie Leonhard sowie der Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in München, Herr Joachim E. Menze. Außerdem bereicherten Frau Prof. (i.R.) Dr. Ursula Neumann, Professorin an der Universität Hamburg für Allgemeine, Interkulturelle und Vergleichende Erziehungswissenschaft (EW1) die Diskussion und der angehende Auszubildende zum Koch, Mohammad Amin Sharifyar, der von seinen anfänglichen Schwierigkeiten in Deutschland und seinen Integrationserfahrungen berichtete.

Zu Beginn stellte Frau Dr. Leonhard das Hamburger Integrationskonzept „Wir in Hamburg“ vor. Sie betonte, dass Hamburg schon immer eine Zuwanderungsstadt gewesen sei. Heute hätten fast 1/3 der Hamburger Bevölkerung einen Migrationshintergrund, in den Schulen sogar knapp die Hälfte aller Schüler/innen. Das Integrationskonzept versuche deshalb einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz zu finden, der alle Lebensbereiche miteinbezieht.

Herr Menze lobte die globale und gesamtgesellschaftliche Ausrichtung des Hamburger Integrationskonzepts. Zwar sei es nicht das erste seiner Art, doch gehe das Hamburger Konzept verstärkt auf die neuen Herausforderungen Europas ein.

Von dem Integrationskonzept „Wir in Hamburg“ sollen auch Geflüchtete, wie Herr Sharifyar profitieren. Dem 2015 geflohenen Afghanen fiel besonders das Ankommen in Deutschland schwer. Sprache und Kultur waren fremd, die Verständigung schwer. Nach anfänglichen Schwierigkeiten lernte Herr Sharifyar Deutsch und bekam ein Praktikum im Hotel Reichshof, wo er eine Ausbildung als Koch beginnen wird. Die anfängliche Skepsis gegenüber Deutschland hätte sich bei Herrn Sharifyar in den Wunsch gewandelt, dass Deutschland seine Heimat werde.

Frau Dr. Leonhard höre solche Erfolgsgeschichten von Geflüchteten erfreulicherweise immer öfter. Frau Prof. Dr. Neumann betonte aber, dass es Aufgabe der Behörden sei, sich internationaler aufzustellen und Sprachbarrieren zu überbrücken, damit Migranten das Ankommen in Deutschland erleichtert werden kann. Frau Dr. Leonhard sprach in diesem Zusammenhang von der interkulturellen Öffnung der Verwaltung, die ein vielfältigeres Sprachenangebot vorsieht.

Die interkulturelle Öffnung der Verwaltung, so Herr Menze, sei nicht Aufgabe der Europäischen Kommission. Natürlich könne sie Richtlinien vorgeben, aber die Umsetzung sei Aufgabe der regionalen Behörden. Frau Prof. Dr. Neumann ergänzte, dass die EU das Erlernen von Sprachen bereits durch Programme wie Erasmus+ fördere.

Ein europäisches Integrationskonzept sei laut Herrn Menze schwer umzusetzen, die Kompetenzen lägen in diesem Bereich bei den Nationalstaaten und nicht bei der EU. Doch würden Gelder, die den Regionen aus dem Europäischen Sozialfonds zur Verfügung gestellt werden, zu einem bestimmten Teil in Integration investiert werden.

Einen großen Teil des Abends wurde über das Angebot an Integrationskursen diskutiert. Frau Dr. Leonhard meinte dazu, dass Integration soweit es geht in das bestehende Regelwerk integriert werden sollte. Ein Problem sei jedoch das Fehlen von Integrationskursen für EU-Bürger/innen, schließlich fehle es auch bei EU-Bürger/innen an Sprachkenntnissen.

Herr Menze ergänzte, dass neben Sprache auch das Recht des jeweiligen Landes gelehrt werden müsse, um Missverständnisse zu umgehen.

Neben dem Arbeitsmarkt, so einigten sich die Podiumsgäste, spiele der Zugang zum interkulturellen Angebot eine entscheidendere Rolle, als das Angebot selbst. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sei wesentlich und könne u. a. durch leichte Sprache ermöglicht werden.

Im Anschluss an die Diskussion stellten sich die Gäste den Fragen und Meinungen aus dem Publikum. Unter anderem wurde auf Anregung einer Teilnehmenden die Wichtigkeit der Ehrenamtlichen in der Integrationsarbeit hervorgehoben. Kontakte seien die tragende Kraft der Integration, deshalb, so Frau Dr. Leonhard, müsse der Dialog zwischen Hamburgern und Migranten gefördert werden. Kritik gab es aus dem Publikum am Dublin-Modell der Europäischen Union. Herr Menze räumte ein, dass Dublin kein Modell für die Zukunft sei, die Europäische Union arbeite aber an einem neuen Konzept, das gerade stark betroffene Länder, wie Italien, entlasten solle.

Auch dem Publikum war es ein Anliegen, Behördenformulare zumindest auf Englisch anzubieten und den Migranten klare Erwartungen zu nennen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Verständnis, Rechtsicherheit, schnellere Aufnahmeverfahren, Familiennachzug und Sprache, fasst Frau Prof. Dr. Neumann zusammen, seien die Hauptkriterien für eine gelungene Integration.

Mit diesen Worten beendete Frau Schmid die Podiumsdiskussion und bedankte sich bei den Gästen und dem interessierten Publikum. Für diejenigen, die die Veranstaltung verpasst haben, ist die Podiumsdiskussion in voller Länge auf unserer Facebook-Seite und auf Öffnet externen Link in neuem FensterYoutube verfügbar.


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