Dienstag, 28. August 2018
Should I stay or should I go? Die sozialen Auswirkungen des Brexit
Unmittelbar vor der Endrunde in den Verhandlungen um den Ausstieg des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union, dem sogenannten „Brexit“, fand am Mittwochabend dem 22.08.18 unter dem Titel „Should I stay or should I go? Die sozialen Auswirkungen des Brexit“ eine spannende Diskussion im betahaus Hamburg statt. Die von Save Democracy e. V. und der Europa-Union Hamburg organisierte und von Louise Brown moderierte Veranstaltung lockte rund 25 Teilnehmende an.

Wie wird die Beziehung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich aussehen? Wie erklärt sich der Brexit? Welche sozialen Konsequenzen gibt es? Und was können wir für den kulturellen Austausch tun?

Diese und viele weitere, spannende Fragen haben Wolfgang Wopperer-Beholz , ein selbstständiger Unternehmer, der bereits in vielen Branchen Einblicke hatte und sich nebenbei für die Erhaltung demokratischer Werte einsetzt und  Jon Worth, ein  politischer Blogger und Journalist, der gebürtig Brite ist, aber schon jahrelang in Deutschland lebt, gemeinsam diskutiert.

Im Zusammenhang mit dem Brexit wird oft von einer Scheidung zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU  gesprochen. Einerseits wollen die Briten die Vorteile der EU, wie die Teilnahme am Binnenmarkt oder an Austauschen. Andererseits wollen sie gleichzeitig  insbesondere aufhören, Geld an die EU zu zahlen. Besonders in Fragen der Wirtschaft, bspw. Die Arbeitsmarktpolitik, betont Jon Worth, dass die Deutschen viel besser als die Briten vorbereitet seien, was die Auswirkungen des Brexit auf viele Berufsfelder angeht.

Louise Brown und Wolfgang Wopperer-Beholz kritisierten außerdem  insbesondere die Entpolitisierung der britischen Gesellschaft und besonders das fehlende Engagement der Jugend. Erklärt haben sich beide dieses Phänomen mit der Gewöhnung an die Selbstverständlichkeit der Demokratie und fehlendem Interesse an politischen Themen. Unter anderem Schuld daran seien die vielen Herausforderungen des Alltags für viele junge Briten, wie teure Mieten und hohe Studienkredite.

Weiterhin wurde die Wahrscheinlichkeit eines „Brexit-Exits“-Szenarios thematisiert, d.h. die vorzeitige Beendigung der Brexit-Verhandlungen mit der Maßgabe, dass das Vereinigte Königreich weiterhin Teil der EU bleibt. Worth argumentierte, dass dies juristisch umstritten, aber wahrscheinlich möglich sei. Man müsse aber beachten, dass es viele Einschränkungen gebe und viele „Wenn und Aber“. Auch wurde die Option eines „No-Deal“ diskutiert, ein Brexit ohne konkrete Vereinbarungen. Über dieses Szenario waren sich die Diskutierenden einig, dass dies eine wirtschaftliche Katastrophe sowohl für das Vereinigte Königreich und Irland als auch Deutschland bedeuten würde. Es müsse um jeden Preis verhindert werden, die Verhandlungen ohne Ergebnisse und Vereinbarungen  abzuschließen. Notfalls solle man lieber eine Verlängerung in Betracht ziehen.

„You don’t know what you’ve got until it’s gone“ ist eine persönliche Lehre, die Jon Worth dem Publikum mit dem Plädoyer ans Herz legte, weiterhin für einen kulturellen Austausch zwischen den Ländern zu sorgen und auf individueller Ebene dazu beizutragen, die Verbindungen, die bereits bestehen, zu stärken und die Freundschaft zwischen dem Vereinten Königreich und Deutschland zu pflegen.

Im Anschluss an das moderierte Gespräch hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Fragen an die Podiumsteilnehmer zu richten: sollte es ein zweites Referendum geben? Was sähe in diesem Fall die „optimale Frage“ aus? Wie positionen sich die Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Vereinigten Königreich? Was war die „wirkliche“ Motivation für den Brexit? Und steht es um die Zukunft Schottlands? Es folgte eine lebhafte Diskussion.

Neugierige können sich einen Mitschnitt der Veranstaltung auf unserem Öffnet externen Link in neuem FensterYoutube-Kanal ansehen!


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