Europa lesen. Hamburger Autorengespräche mit Delio Miorandi

In Zusammenarbeit mit dem Istituto Italiano Di Cultura Hamburgo lud die Europa-Union Hamburg am 18. September 2018 zu einer weiteren Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Europa lesen. Hamburger Autorengespräche“ ein. Thema dieses Mal: das Leben italienischer Gastarbeiter in Deutschland.

Foto: Europa-Union Hamburg e. V.

 

 

 

 

 

 

 

Delio Miorandi und sein Co-Autor, Claus Langkammer, hatten einen weiten Weg aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Hamburg auf sich genommen, um in der Bibliothek des italienischen Kulturinstituts ihre Bücher rund um den Protagonisten Antonio vorzustellen und auch ganz persönliche Fragen zur eigenen Vita zu beantworten. Durch den Abend führte Eleonora Cucina, Mitglied des Integrationsbeirats, Fotografin und Interkulturelle Trainerin.

In den beiden Büchern „ANTONIO: Vom Eselspfad ins Wirtschaftswunder“ & „ANTONIO: Im Land der Verheißung“ spiegelt sich das Schicksal vieler italienischer Gastarbeiter wieder, die im Rahmen der in 1950er und 1960er zwischen der Bundesrepublik Deutschland und verschiedenen Ländern, darunter Italien, geschlossenen Anwerbeabkommen, ihr Heimatland in der Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände verlassen und einen Neuanfang auf unbekanntem Gebiet gemacht hatten. Stellvertretend für diese Generation wird in den Romanen der Lebensweg Antonios nachgezeichnet, der auf einem realen Charakter beruht. Durch einzelne Passagen, die Claus Langkammer während des Abends vorlas, wurde deutlich, unter welchen schwierigen Bedingungen die Menschen nicht nur zunächst in Italien lebten, sondern auch welche Umstände sie in Deutschland vorfanden. Das Kalkül damaliger deutscher Politiker, ausländische Arbeitskräfte anzuwerben, die eine bestimmte Zeitlang in Deutschland arbeiten und danach wieder in ihr Heimatland zurückkehren, sodass ein Zyklus entsteht, ging dabei nicht auf. Insbesondere italienische Migranten beeinflussten die Entwicklung Deutschlands zu großen Teilen. Dies konnten sowohl Delio Miorandi, der selbst 1959 als Student aus Italien nach Deutschland kam und nach Ende seines erfolgreich abgeschlossenen Studiums in der Bundesrepublik blieb, als auch Claus Langkammer, der dem Publikum einen sehr persönlichen Einblick in sein Leben gewährte und in der italienischen Kultur eine Heimat gefunden hat, bestätigen.

Auf die Frage, was sich für Lehren aus der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft ziehen ließen, betonten beide Herren einen Ausdruck: Begegnung. Nur, wenn sich Menschen begegnen und ‚beide Seiten‘ einen solchen Austausch suchen, kann es zur Integration und zu einem wirklichen Miteinander kommen.

In der an das Gespräch und die Lesung anschließenden, offenen Runde für Fragen aus dem Publikum, zeigte sich sehr viel generelle Begeisterung für Italien, die italienische Kultur und die italienische Sprache. Voller Begeisterung sprachen sich Gäste für die Stärkung von Europa als einem Kulturraum aus.